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Worte der Trauer gesprochen bei dem Begräbnis des Herrn Wilhelm Merzbach am 24. Juli 1924 in Offcnbach am Main HERR RABBINER dr.
DIENEMANN: Andächtige Trauergemeinde, werte
Leidtragende! Ist es nicht so, als wollte gleichsam der
Himmel seine Tränen mit den
unsren vereinigen? Trost
zu spenden, stehe ich hier vor Ihnen, aber wie soll man Trost
spenden, wenn man
selbst noch schwer und tief getroffen sich fühlt? In unsagbarer Trauer befinden wir uns
hier. Daß wir diesen Mann, der uns
doch erscheinen konnte
wie die Verkörperung des sprühenden Lebens, wie die vollendete
Heiterkeit, daß wir diesen Mann zu Grabe tragen, ist ein Gedanke, den wir
noch nicht ausdenken können. Allesamt
sind wir von Trauer gepackt und ergriffen.
Mit der alten Mutter, die am Abend ihres Lebens noch diese Prüfung durchmachen muß, mit der nun vereinsamten Gattin, mit den Geschwistern
und dem ganzen weitverzweigten Verwandtenkreise trauert die Stadt. Sie sieht in ihm hinweggehen das Glied
einer Familie, die schon im vorvorigen Jahrhundert ihren Namen in die Blätter
der Stadt eingezeichnet hat. Sie
sieht in ihm hinweggehen einen Mann, der in der öffentlichen Wohlfahrtspflege
dieser Stadt eine hervorragende und leitende Stellung innehatte. Es trauert die jüdische Gemeinde, die in
ihm einen ihrer treuesten Söhne verliert, denn wenn er auch mit
selbstgewählter Freiheit der
Praxis des religiösen Lebens gegenüberstand,
war er doch im tiefsten Herzen ergriffen von den Wahrheiten der jüdischen Religion und ihren Lehren,
jederzeit bereit einzustehen für ihre Lehre, einzustehen für das Gedeihen und die Wohlfahrt der
Gemeinde, sie hinwegzutragen über die Fährnisse und Kote, die ihr gerade in
den legten Jahren drohten, und vor allem jederzeit bereit, als Lernender sich immer weiter zu versenken und zu vertiefen
in Geist und Wesen der Lehre. Es
trauert die reich gegliederte
Kaufmannschaft dieses Ortes, denn er war ja wie selten einer von
Kindesbeinen auf verwachsen mit dem weltberühmten Handel Offenbachs. Es trauern die vielen, mit denen er in persönlicher Freundschaft verbunden
war. Es trauern ....... ja wer
trauert denn nicht? Er war doch einer von den Menschen, die nicht sich selbst
sondern der Öffentlichkeit angehören.
Aber es ist nicht bloß das
Wort der Trauer, das in dieser Stunde sich auf unsere Lippen
drängt, es drängt sich auf die Lippen die alte, alte Frage, die noch immer aufgeworfen ward, seitdem
es ein religiöses Denken gibt, das an der Flamme des Glaubens an den einen
Gott der Güte sich entzündet, die Frage: Wie ist es möglich, daß ein so
reiner, edler und guter Mensch von
einem so jähen Schicksalsschlag hinweggerissen wird? Ein
Mensch, von dem
man nach unserem menschlichen Denken hätte
annehmen müssen, daß es ihm
vergönnt sein würde, ein Leben in Glück und Frieden und in hohem Alter zu führen? Wie ist es möglich, daß einer Frau, deren Hilfsbereitschaft und edler Sinn
sprichwörtlich ist, der
Mann, der Sinn ihres Lebens, so von der Seite gerissen wird ? Ach, meine
Teueren, wir können die Frage ja wohl wieder aufwerfen, aber seitdem Hiob sie zum ersten Male
aufgeworfen hat, hat sie noch keine
rechte Antwort gefunden, und auch wir können keine Antwort finden, wir
können nur eines tun, schweigend uns beugen und mit dem
Propheten sprechen: „Ki
lo mach’she’vo’tai mach’she’vo’tei’chem ve’lo dar’chei’chem d’ra’chai“ „Meine
Gedanken sind nicht wie eure Gedanken, und nicht wie eure Wege sind meine
Wege, spricht der Herr." Vielleicht
ist es sogar
vermessen, nach einem Trost krampfhaft zu suchen.
Trost kann man in solchem Schrecken nicht von
irgendwoher pflücken, wie man eine Frucht vom Baume pflückt. Trost muß, kann nur Gott ins Herz
senken, und nur er allein kann ihn spenden.
Aber wir können vielleicht einen Weg
suchen und ein paar Schritte gehen auf diesem Wege, um ein Stück unseres
zerstörten Seelenfriedens wiederzugewinnen. Wir können sein Leben betrachten,
und wo wir es betrachten, wo wir es schildern, wird uns ein Strahl vom Segen
Gottes aufleuchten. Wir können das
Wort aussprechen, das nach dem Thora-Abschnitt des kommenden Sabbats
einst an den Priester Pineas erging: „Hin’ni no’ten lo et bri’ti sha’lom“„Siehe
ich gebe ihm meinen Bund, den Bund des Friedens." „Friede", nehmt
dieses Wort nicht zu
wörtlich, nehmet es ,nicht in dem landläufigen Sinne, daß er ein Mensch war, der in Freundschaft
mit jedermann lebte, dem keiner feind war, das ist zu selbstverständlich. Nehmt es und fühlet es als den Ausdruck
der Tatsache, daß ihm gegeben war die Gnade einer harmonischen, in sich
ruhenden, geschlossenen Persönlichkeit. Ja, das war der hervorstechende
große Charakterzug seines Lebens: Er war ein in sich ruhender Mensch, der
die Quellen seines Lebens in sich trug. Das erklärt sein Wesen und Sein. Denn daß er ein Mensch von Lauterkeit und
Geradheit, von Rechtlichkeit und
Gewissenhaftigkeit war, das ist
doch zu selbstverständlich, als daß man es erst
ausdrücklich sagen sollte, zu selbstverständlich für Wilhelm Merzbach. Aber
den Grundzug seines Wesens wollen wir aufzeigen, und er eben ist die innere
Ruhe und Ausgeglichenheit. Das mag
seltsam erscheinen bei einem Manne, der hineingestellt war in die Hast des
modernen Wirtschaftslebens, noch dazu
an eine Stelle, an der die ganze von der Jagd nach der Schnelligkeit regierte
Unruhe des modernen Lebens gleichsam wie durch ein Prisma noch vielfach und
in mannigfaltigen Linien sich brechen
mußte. Und doch
ist es so. Er war eine
ruhevolle Persönlichkeit; wo er
war, was er tat, bei allem war er mit der ganzen
Persönlichkeit, bei allem war er in
jedem Augenblick ganz und in voller Geschlossenheit. War er in seiner Arbeit, so war er
rastlos tätig, emsig, fleißig und unermüdlich, in der Mannigfaltigkeit und
Vielheit zugleich die Einheit begreifend,
sich selbst erfassend als einen,
der einen Dienst am Volksganzen versieht. Und hatte er die Stätte der Arbeit verlassen, dann folgte sie
ihm nicht wie anderen nach wie ein Gespenst, er war in der Lage, in der
inneren Seelenruhe, sich gesammelt nun dem hinzugeben, was seinen Weg
kreuzte, oder was er aufsuchte. Und
daher war er von einer geradezu kindlichen, knabenhaften Heiterkeit, jedem
Eindruck sich hingebend, jeden Eindruck mit der vollen Freude der
Persönlichkeit genießend. Für den,
der ihm nahestand, war es geradezu
beglückend zu beobachten, wie er mit dem Kleinsten sich freuen konnte, in
Dingen, die ein anderer gar nicht sah
und beobachtete, die Wunder des Lebens erschaute. Wie ein Strahl von Ruhe ging es dann von ihm aus und senkte
sich auf jeden hernieder, der mit ihm
war. Diese Ruhe und Geschlossenheit, diesen Frieden der Seele bewährte er dann in jeder Lebenslage
bei jeder Gelegenheit. Wenn es sich
um die reiche Arbeit der Leitung und Mitarbeit in allen Dingen der Wohlfahrt
handelte, wie war er da gesammelt und geschlossen, gleichsam als gäbe es
in diesem Augenblick keine
dringendere Aufgabe als zu raten und helfen zu dürfen. Wenn es galt, irgend
einen Beweis der Liebenswürdigkeit und des persönlichen Interesses zu geben,
immer war er mit der ganzen Seele dabei, immer fühlte man, hier ist ein Mann,
der den Frieden der Seele in sich trägt und darum den Frieden der Seele zu
spenden und zu schenken imstande war. Der Frieden seiner Seele zeigte sich
strahlend in dem reichen Familienleben, das er führte. Gab es noch einen so zärtlichen
Sohn? Kein Tag verging, an dem er
nicht der Mutter seine Verehrung zu Füßen legte. Gab es noch einen Gatten, der mit solcher Liebe und Treue und
Herzlichkeit an seiner Gattin hing, sie so
ganz und gar unberührt ließ
von den Sorgen und Ärgernissen, die sein Alltag ihm brachte ? Gab es jemand,
der in dem reichgegliederten Kreise der weit verzweigten Verwandtschaft so
ganz und gar als Familienglied sich gezeigt und gegeben hat? Den Frieden der Seele, man kann wohl nach
ihm langen, und ihn suchen, aber man kann ihn nicht erobern. Er ist ein Geschenk, das nur von Gott gegeben ist;
wer es hat, gehört zu den
Glücklichen. Und darum dürfen wir an seiner Bahre sagen, daß er, so jung wie
er dahingegangen ist, ein wahrhaft glücklicher Mensch gewesen
ist. Diese Gabe,
die ihm Gott mitgegeben hatte, und von der alle Betätigung des Lebens
ausstrahlte, diese Gnade Gottes machte sein Leben hell. Nun gesellte sich dazu die Liebe und
die Achtung seiner
Mitbürger, die ihn schälten
und ehrten ob
seiner Arbeit und ob der rührenden Bescheidenheit, die in
seinem Wesen zum Ausdruck kam, gesellte sich die Liebe der Gattin und aller
Angehörigen, gesellte sich das erhebende Bewußtsein, das er,
unbeschadet aller Bescheidenheit, haben durfte, daß man auf sein Wort
hörte, auf seinen Rat wartete. Fassen
wir sein Leben, so gesehen, zusammen,
dürfen wir nur sagen, daß er mit seinen nur 50 Jahren reicher und
glücklicher gelebt hat, als ein Hundertjähriger. Wenn
unsere Alten in einem
solchen Falle ein Leben abzuschließen
sich unternahmen, dann sprachen sie das Wort: “ch’veil al di’av’din
ve’lo mish’tak, „Welch
ein Jammer, daß solch ein Mensch fortgehen muß und niemand da ist, der für
ihn gefunden werden kann." Und sie wollten damit zum Ausdruck bringen,
daß das Schließen der Lücke in einem solchen Falle nicht die Sache der
Menschen ist, sondern einzig und allein das Geschenk Gottes. Wir können nicht
anders Abschied nehmen von seiner Bahre und von seiner sterblichen Hülle, als
daß wir beten, schlicht und einfach und innig, daß Gott der Allgütige diese
Lücke schließen möge und uns Menschen erstehen lassen möge, wie er einer war.
Wir beten, daß Gott seinen Trost spenden möge der Gattin, der Mutter, den
Geschwistern und all denen, die in Trauer hier versammelt sind. Wir sprechen in frommer Ergebung das Wort,
das Hiob geprägt: „Ado’nai na’tan va’ado’nai la’kach, ye’hi shem a’do’nai
me’vo’rach“ „Der
Ewige, der ihm einst das Leben gab, er rief ihn wieder von hinnen, Gottes Name sei gelobt für und
für." Amen. HERR HENGST: V3n den Prokuristen, Beamten und
Angestellten des Sankhauses S. Merzbach, Offenbach a. M. bin ich beauftragt,
unserem lieben verstorbenen Chef Worte des
Gedenkens und der Anerkennung zu weihen. Ausgerüstet
mit hervorragenden Gaben des Geistes und umfassenden Kenntnissen auf allen
Gebieten des beruflichen Lebens hat er in siebenundzwanzigjähriger rastloser
Tätigkeif unvergängliche Verdienste um das Wohl und Ansehen des Hauses sich
erworben. So wie sein Streben als Bankier in erster Linie dahin ging, der
Wirtschaft und dadurch der Allgemeinheit zu dienen, so hat er auch uns immer
wieder darauf hingewiesen und belehrt, daß der Industrie und dem Handel in
weitgehendstem Maße in ihrer produktiven Arbeit Unter-stüi?ung zuteil
werden muß, um
auf diese Weise Arbeit und Wohlstand nicht nur für sich und sein Haus,
sondern auch darüber hinaus für Viele zu schaffen. Seine Ausdauer und seine
Energie wurden bei diesem seinem Bestreben von unermüdlicher, ja man kann
sagen von bewundernswerter Schaffenslust getragen. Zu diesen seinen
Fähigkeiten gesellte sich eine ausgesuchte Herzlichkeit, die ihn manchen über
die geschäftlichen Beziehungen hinaus Freund werden ließen. Und fro£ dieser
umfassenden geschäftlichen
Inanspruchnahme hatte er für jeden seiner Angestellten immer Zeit und
Hilfsbereitschaft, und gerade der in den legten Wochen notwendig gewordene
Personalabbau hat wieder gezeigt, wie sehr selbst bei seiner geschäftlichen
Tätigkeit sein hilfsbereites Herz mitsprach. Und so stehen wir an der Bahre des
Verstorbenen, er wird uns in Erinnerung bleiben als ein lieber und
vollwertiger Chef und Mensch. Wir werden seiner nie vergessen und stets wird
der Name Wilhelm Merzbach uns vor Augen führen, was es heißt : Pflichten auf
sich zu nehmen, Pflichten zu tragen und
Pflichten zu erfüllen. HERR REKTOR SEIBERT, Offenbach a. M.: Der Offenbacher Hilfsverein steht tief erschüttert am Sarge seines
langjährigen 1. Vorsitzenden. Noch ist es uns unfaßbar, daß er, den wir noch
vor wenigen Tagen in seltener Umsicht und bekannter Pflichttreue seines Amtes
walten sahen, für immer von uns gegangen sein soll. Wohl aber fühlen wir,
daß das unerbittliche Schicksal eine Lücke gerissen, die zu schließen
wir uns vergeblich bemühen werden. Wer mit dem Verblichenen auf dem Gebiete
der werktätigen Nächstenliebe zusammengearbeitet hat, der weiß, wie schwer es
ist, in dem Rahmen eines kurzen Nachrufes seiner rastlosen und segensvollen
Wirksamkeit gerecht zu werden. Verdanken wir es doch nur seiner selbstlosen
Hingabe, seiner nie ermüdenden Opferwilligkeit, daß unser Verein in den
legten schweren Jahren seiner schönen Aufgabe dienstbar bleiben konnte. Für
Wilhelm Merzbach war das Goethe- Wort „Edel sei der Mensch, hilfreich und
gut" nicht eine schöngeistige Redewendung, es war für ihn unbedingter
Lebensgrundsaf?. So bedürfnislos dieser bescheidene Mann für seine Person
war, so leicht wußte er sich einzufühlen in die Notlage seiner bedrängten
Mitmenschen. Jeder durfte bei ihm auf Erhörung hoffen, einerlei, welcher
politischen Richtung oder welchem konfessionellen Glaubensbekenntnis er
angehörte. Toleranz war diesem wahrhaft vornehmen Charakter eine
Selbstverständlichkeit. Hoch über allem Tageshader stand ihm die Pflicht des
Wohltuns. Ganz besonders empfinden wir dies im Ausschuß für Mittelstandhilfe,
wo es galt, die unschul- digen Opfer einer neuen brutalen
Wirtschaftsordnung vor dem Schlimmsten zu bewahren. Immer wieder wußte er dank seines ausgedehnten Bekanntenkreises
neue Hilfsquellen im In- und Auslande zu erschließen. Und stets empfand sein
warmes Herz eine geradezu kindliche Freude über jede Gabe, die unserem Verein
zuteil wurde, genau so, als wenn ihm selbst ein unerwartetes Glück in den
Schoß gefallen wäre. Wahrlich, wer so viel Liebe sät, der muß im Leben
Gegenliebe ernten. In der Geschichte des Hilfsvereins zu Offenbach a. M. wird
der Name Wilhelm Merzbach einen Ehrenplatz einnehmen für alle Zeiten. In
unseren Herzen aber hat er sich ein Denkmal gesellt, das Grab und Tod
überdauert. Als äußeres Zeichen
unserer Liebe und Verehrung haben wir ihm einen Kranz gewidmet. Der
Entschlafene, der in diesem Leben so viel Gutes tat, er wird, wir sind dessen
gewiß, im Jenseits einen gnädigen Richter finden. HERR DIREKTOR WILKE, Offenbach a. M.: Namens der Vereinigung der Offenbacher
Banken möchte ich unserem verstorbenen lieben Kollegen und Freund einen legten Gruß widmen. Als Mitbegründer
unserer Vereinigung hat es Herr Bankier Wilhelm Merzbach in den langen Jahren
verstanden, sich in selbstlosester Weise für unsere gemeinsame Aufgabe
hinzugeben, wofür wir ihm großen Dank schuldig sind. Tief erschüttert stehen
wir heute an seinem Sarge und können es noch nicht begreifen, daß ein so
rastlos schaffender Mann mitten aus seiner Tatkraft heraus uns entrissen
worden ist. Jahrelang ist er uns ein leuchtendes Beispiel in allen Taten und
in allen Begebenheiten gewesen, die mit unserem Beruf zusammenhingen. Wir
wollen ihm auch über das Grab hinaus die Treue bewahren. Als Dank für alles,
was er uns gegeben hat und als Zeichen steten Gedenkens widmen wir ihm als
legten Gruß diese Blumen, die ich hiermit an seinem Grabe niederlege. HERR ANTON GÖTZ, Frankfurt a. M.: Im Namen des Aufsichtsrates und des
Vorstandes der Aktien-Gesellschaft fürSchriftgießerei und Maschinenbau,
Offenbach a. M., lege ich dieses äußere Zeichen der Wertschätzung und
Verehrung an der Bahre des dahingegangenen Vereinenden unseres Aufsichtsrates
nieder. Durch die außerordentliche Arbeitskraft,
das reiche Wissen und die große Erfahrung des uns leider zu früh Entrissenen
hatte er geschäftliche Erfolge aufzuweisen, welche dem zielbewußten Kaufmann
unsere dauernde, dankbare Anerkennung und treues Gedenken sichern. Seine hervorragenden Charaktereigenschaften,
seine stete Hilfsbereitschaft, seine Herzensgüte und sein gewinnendes,
liebenswürdiges Wesen haben ihm
als Mensch in unserem Herzen
ein bleibendes Denkmal errichtet. HERR dr. FELIX KÄUFFMANN, Frankfurt^-., Präsident der Frankfurt
-Loge: Hochansehnliche Trauerversammlung ! Das Vorrecht der Trauer ist das Schweigen,
das Vorrecht der Teilnahme aber ist das Wort," und klagend soll es sich
erheben, wo so viele Stimmen sich schon erhoben haben zu ernster Totenklage
um einen Großen im Reiche der Arbeit, und, wo so manches Wort über Sein und
Wirken unseres Freundes, meines lieben Vetters Wilhelm Merzbach gesprochen,
da soll zum Schlüsse, bevor wir ihn auf seinem legten Wege geleiten, auch der
Schmerz der Frankfurt-Loge, in deren Namen ich hier spreche, in klagender
Trauer sich erheben. Festhalten wollen wir das Bild, das in diesem Augenblicke sich uns zeichnet
aus dem Hinhorchen auf das Echo seines Tuns in Beruf und Haus und aus dem
heiligen Raunen eines auf tiefste Trauer gestimmten Bruderkreises. Jet?t, wo
der Schatten eines in seiner Plötzlichkeit besonders tragischen Todes auf
seiner Gestalt liegt, formt sich noch einmal zu plastischer Größe das Bild
unseres verklärten Bruders. Echtes, ererbtes, in bester Tradition
bewährtes jüdisches Interesse war es, das unseren Bruder Wilhelm
Merzbach vor nahezu zwei Jahrzehnten trieb, sich
unserem Bruderkreise anzuschließen, und wenn von Einem, so können wir von ihm
es sagen, daß er jene inhaltsschweren Worte, die Ausgangspunkt und Ziel
unserer Bestrebungen zugleich sein sollen: die Wohltätigkeit, die Bruderliebe und die
Eintracht, aufs allerbeste bewährte. Unser Bruder Wilhelm Merzbach war ein
ganzer Mann, ein echter, aufrechter, bekenntnistreuer Jude, ein wahrer Ben
Bris. Ein deutlich erfaßtes, klar ausgeprägtes, von Erfolg gekröntes Pflichtbewußtsein, das unserem verklärten
Bruder schon frühzeitig gern getragene Bürden auferlegte, zeichnete ihn vor
Vielen aus, eine sonnige Liebenswürdigkeit, eine seltene Lebhaftigkeit des
Geistes wußte er mit der seltenen Gabe zu vereinen, das Persönliche sachlich
und das Sachliche persönlich zu behandeln. Er war ein Mann der ungestümen
Tatkraft, ein Mann der Hilfe, wo nur immer zu helfen war. Und Wilhelm
Merzbach wußte, daß alles Große auf
Erden zulegt fließt aus unserem
religiösen Bewußtsein, daß
es einen Teil unseres religiösen Lebens bildet, und
darum, um jüdisches Sein zu
erleben, schloß er
sich unserem Bruderkreise
an. Wertvollstes hat er ihm geleistet, und wenn wir ihn je£t, an einem trüben Tage des sonst sonnigen Monats Tammus, in den drei
der Einkehr gewidmeten Wochen auf dem Wege zu seiner legten Ruhestätte geleiten, so sei
zuvor ihm noch der herzlichste Dank des
Bruderkreises gesagt für alles das, was er ihm in seinem leider nur allzu
kurzen Leben war. Mit dem Danke aber auch sei das Gelöbnis abgelegt, daß,
solange eine Frankfurt- Loge besteht und wirkt, wenn
die wertvollsten ihrer Brüder genannt werden, auch der Name Wilhelm Merzbach
segensvoll und ehrenvoll genannt wird. |